Sprachen

3D-Joins und Schriftmetrologie

Abstract: 

Das Bundesministerium für Bildung und Forschung (BMBF) fördert ein neues Gemeinschaftsprojekt der Würzburger Altorientalistik zusammen mit Informatikern der TU Dortmund und dem Projekt "Hethitische Forschungen" an der Akademie der Wissenschaften und der Literatur in Mainz.

Beschreibung: 

Segmentiertes KeilschrifttafelfragmentDas interdisziplinäre Forschungs- und Entwicklungsprojekt erforscht unter der Leitung des Verbundkoordinators Gerfrid G.W. Müller nachhaltige Konzepte und Methoden zur Erhebung von Schriftmerkmalen im weiteren Sinne auf fragmentierten Tontafeln mit Keilschrift, zu deren Sortierung nach quantifizierbaren Merkmalen und schließlich der dreidimensionalen Rekonstruktion der einzelnen Tontafeln über die Konturen der Fragmente mit größter Merkmalsübereinstimmung.

Grundlage der Bearbeitung sind hochaufgelöste Punktewolken, die durch Streifenlicht(Laser)-Scanner akquiriert werden. Zur Untersuchung der Punktewolken werden am Lehrstuhl für Graphische Systeme der TU Dortmund unter Leitung von Frank Weichert neuartige Methoden zur zuverlässigen Detektion von Keilschriftzeichen, 3D-Rekonstruktion von Schriftträgern und Analyse von Schrift(-gattungen) entwickelt. Als Materialgrundlage werden in erster Linie Keilschrifttexte aus der antiken Hethiterhauptstadt Hattusa (ca. 30.000 Texte und Fragmente) dienen, die seit 2001 von der UNESCO als "Memory of the World"-Kulturerbe geführt werden, und mit deren Aufarbeitung die Forschungsstelle "Hethitische Forschungen" der Akademie der Wissenschaften und der Literatur in Mainz unter Leitung von Gernot Wilhelm federführend befasst ist.

Unter diesen Tontafeln gibt es etliche, auf denen die Namen der Schreiber verzeichnet sind und die damit als Kontrollgruppe für die Merkmalskategorisierung dienen können. Besonders interessant ist eine Gruppe von 6.000-9.000 Fragmenten, die zu sog. Festritualen gehören dürften, die sich wegen der repetitiven Phraseologie von Kultanweisungen mit inhaltlichen Kriterien außerordentlich schwer rekonstruieren („joinen“) lassen. Man kann diese Gruppe mit Hunderten von durcheinander geworfenen Puzzlespielen vergleichen, deren Teile zunächst einmal auseinander sortiert werden müssen, bevor man sie zusammensetzen kann. Die Dreidimensionalität der Schrift wie auch der Schriftträger erfordert eine räumliche Analyse und dreidimensionale Zusammenfügung der Fragmente.

Die entstehende Software wird auch zur Analyse von Keilschriften anderer Epochen und Fundorte dienen. So sollen z.B. in Kooperation mit der Assurforschungsstelle an der Heidelberger Akademie der Wissenschaften auch 3D-Scans von Tontafeln aus Assur analysiert werden.

Internetseite zum Forschungsprojekt: www.cuneiform.de

Bearbeiter: 
  • Denis Fisseler
  • Frank Weichert
Status: 
Aktiv
Zeitraum: 

2012-2015